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Unser Verein

Der Heimat- und Kulturverein besteht mit Unterbrechungen bereits seit dem Jahr 1926. Damals nannte er sich noch „Verein für Heimatpflege“.
Zum 50jährigen Jubiläum des Vereins schrieb Dr.Eduard Berlet, einer der Aktivisten des Vereins: „Im Wesentlichen kreisen die Bestrebungen dieser Vereinigung um den heimatlichen Raum der Klosterdüne, den großen Wirkungen die in mehr als tausend Jahren von hier ausgegangen waren... Der Begriff „Heimatpflege“ soll die geistige Inbesitznahme der Heimat ausdrücken, soll die Besonderheit des Lorscher Raumes vor dem Vergessenwerden bewahren, soll „Laurissa“ nicht den Gelehrten, den Historikern und Kunstbeflissenen allein überlassen..“.
Das ist auch heute noch unser Auftrag.
 
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Kräutergarten Frank Jäger

Kräutergarten

 

DER KRÄUTERGARTEN ZUM ‘LORSCHER ARZNEIBUCH’Kraeutergarten FJ
Im ehemaligen Kloster Lorsch besteht hinter der Zehntscheune ein großer Kräutergarten zum ‚Lorscher Arzneibuch‘. Er ist barrierefrei zu erreichen, am bequemsten von der der Königshalle aus entlang der Zehntscheune. Da die Klosterdüne hinter der Zehntscheune steil zur Klostermauer ansteigt, wurde der Kräutergarten mit Hilfe von Trockenmauern terrassenförmig angelegt.  Flache Rampen verbinden die Terrassen. Auf jeder Terrasse gibt es eine Ausweichstelle für den Fall, dass sich mehrere Rollstühle oder Besuchergruppen begegnen.

Planung: Landschaftsplanungsbüro Topotek 1, Berlin 
                                 
Ehrenamtliche Betreuung: Eine beim Heimat- und Kulturverein Lorsch gebildete Arbeitsgruppe Kräutergarten. Wir sind eine engagierte und sehr nette Gruppe und würden uns über Zuwachs freuen. Kontakt: Lieselotte Roth, Tel. 06251/ 55137 (Anrufbeantworter).
 
Wir führen auch durch den Kräutergarten 
Pfingstrose Platte
Dauer: 1,5 Stunden
Preis bis 10 Personen: 55,00€
Preis ab 11 Personen: 5,50€ pro Person
 
Kontakt:
Tourist-Information NibelungenLand, Lorsch
Tel.: 06251-175260
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
 
 
THEMA DES GARTENS IST DAS ‚LORSCHER ARZNEIBUCH‘
Es wurde um die Jahre 795 /800 im Scriptorium des Klosters Lorsch niedergeschrieben und gilt heute als das älteste erhaltene medizinisch-pharmazeutische Kompendium, das nördlich der Alpen entstanden ist. Die  Handschrift überliefert vor allem antikes medizinisches Wissen. Sie belegt in einer neunseitigen „Verteidigung  der Heilkunde“ die Vereinbarkeit des antiken Wissens mit dem christlichen Glauben. Dies war ganz im Sinne des Bildungsprogramms Karls des Großen. Den Klöstern wurde es zur Pflicht gemacht, nicht nur die Klosterinsassen medizinisch zu versorgen, sondern auch die Bevölkerung in ihrem Umfeld sowie die Pilgerer. Der Mönchsarzt sollte eifrig die antiken Autoren studieren und große Sorgfalt bei der Herstellung der Medikamente walten lassen. Zu Beginn des 9. Jahrhunderts wurde die Heilkunde sogar als Unterrichtsfach für die Klosterschulen eingeführt.
Die Handschrift gehörte einst Kaiser Otto III. Sein Nachfolger Kaiser Heinrich II hat sie geerbt und dann um das Jahr 1007 dem Domstift Bamberg geschenkt. Seit der Säkularisation wird die Handschrift in der Bayrischen Staatsbibliothek Bamberg  unter der Signatur Codex Msc.Med.1 gehütet. Inzwischen wird auch die populärere Bezeichnung ‚Lorscher Arzneibuch‘ verwendet.
Große Freude entstand, als im Jahr 2013 die Handschrift in die UNESCO  Liste ‚Memory of the World‘ aufgenommen wurde.  Die digitale Version des ,Lorscher Arzneibuchs`finden Sie in der Bibliotheca Laureshamensis – digital: Virtuelle Klosterbibliothek Lorsch.
 
Die Pflanzen des ‚Lorscher Arzneibuchs‘ im Kräutergarten
Rund 500 Rezepte enthält das ‚Lorscher Arzneibuch‘. Sie enthalten pflanzliche, mineralische und tierische Bestandteile. Den größten Teil der Heilmittel stellt aber das Pflanzenreich.
Ein Teil der Heilpflanzen wurde gewiss in einem Kräutergarten innerhalb der Klostermauern herangezogen. Wo dieser Kräutergarten lag, weiß man bis heute nicht. Auch weiß man bisher nicht, wie viele der im Arzneibuch genannten Pflanzen wirklich verwendet wurden. Unzweifelhaft aber zeigt die Handschrift eine Geschichte der Aneignung des antiken medizinischen Wissens. Wir dürfen also annehmen, dass die Mönche sich um die Beschaffung fehlender Pflanzen bemüht haben. Allerdings ist in einem Gedicht des Isidor von Sevilla empfohlen, auf zu teure exotische Pflanzen und Spezereien zu verzichten.
Wir wollen den Besuchern unseres Gartens einen möglichst umfassenden Überblick über den Pflanzenschatz des ‚Lorscher Arzneibuchs‘ bieten. Deshalb sind in dem Kräutergarten auch solche Pflanzen zu sehen, die in der freien Natur gesammelt werden konnten. So kann der Besucher fast 200 verschiedene Pflanzen im Verlauf des Jahres kennen lernen: Pflanzen, die hier schon urwüchsig waren, andere Pflanzen, die durch die Römer eingeführt wurden und Pflanzen, die erst von Mönchen über die Alpen in die Klöster mitgebracht wurden. Pflanzen, die nur nahe an einem Gewässer gedeihen, sollen später an der Kulturachse gepflanzt werden, nahe dem Steg über einen feuchten Graben.
Zurzeit erarbeitet die Arbeitsgruppe Kräutergarten eine ausführliche, bebilderte Broschüre zu dem Kräutergarten. Das Erscheinen wird in der Homepage mitgeteilt.
 
Wie kam es zu dem Kräutergarten zum ‚Lorscher Arzneibuch‘ ?
Seit einigen Jahrzehnten war es Anliegen des Heimat- und Kulturvereins Lorsch, im Gelände des ehemaligen Klosters Lorsch einen Garten anzulegen. Die Besucher des Klostergeländes sollten erleben können, dass die Mönche Gartenbau und Heilkunde pflegten.
Zunächst entstand 1982 ein kleiner Garten nach dem im 9.Jahrhundert entstandenen Gedicht des Mönches Walahfrid Strabo über 24 Pflanzen seines Gärtchens. Dieser kleine Garten fand viel Anklang bei Jung und Alt. Das verlockte, noch mehr über Pflanzen im ehemaligen Kloster Lorsch herauszufinden, was von überraschendem Erfolg gekrönt war.
Erst in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts hat der berühmte Paläograph Prof. Bernhard Bischoff erkannt, dass die frühmittelalterliche medizinische Handschrift, Codex Msc.Med.1 der Staatsbibliothek Bamberg, im Scriptorium des Klosters Lorsch niedergeschrieben wurde. Nach Erwerb eines Mikrofilms wurde klar, dass es lohnend wäre, diese wichtige Handschrift ins Deutsche übersetzen zu lassen, um sie auch den Bürgern ohne Lateinkenntnisse zugänglich zu machen. Ihnen könnte so eine neue Seite der Klostergeschichte erschlossen werden.
Der Heimat- und Kulturverein Lorsch erreichte dann, dass die Stadt Lorsch zusammen mit der Firma Boehringer Ingelheim eine Stelle für einen jungen Wissenschaftler an der Universität Würzburg finanziert hat. Im Zuge der Übersetzung konnten viele Pflanzen identifiziert und Fachbegriffe geklärt werden. 1992 erschien von Ulrich Stoll: Das‘ Lorscher Arzneibuch‘: ein medizinisches Kompendium des 8. Jahrhunderts (Codex Bambergensis medcinalis 1); Text, Übersetzung und Fachglossar / Franz Steiner Verlag Stuttgart.
Dieses Werk bildete die Grundlage für die Schaffung des Kräutergartens zum ‚Lorscher Arzneibuch‘ im Bereich des Mönchsfriedhofs nordöstlich des Kirchenfragments. Im Jahr 2000 wurde der Garten feierlich eröffnet.Die Planung auf Hochbeeten aus alten hellen Sandsteinen stammte von den Garten- und Landschaftsarchitekten Prof. Urs Walser und Michael Palm, Weinheim. Die Realisierung gelang nur durch viele Spenden von Bürgern, Stiftungen  und Firmen, die Gewinnung von freiwilligen Helfern für die Pflege des Gartens sowie die Hilfe der Stadt Lorsch und der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen. Im Jahr 2000 wurde der Garten feierlich eröffnet und von der Bevölkerung und den Besuchern sehr geschätzt.
2013 wurde der Garten wegen einer grundsätzlichen Umgestaltung des Klostergeländes hinter die Zehntscheune an den Fuß der Klosterdüne verlegt. Dieser Teil wird auch Spittelsberg genannt, weil sich hinter der Klostermauer ein Hospital befand. Die neue Gestaltung des Kräutergartens ist am Beginn des Beitrags beschrieben.
Die Kosten der Verlegung hat das Land Hessen übernommen.
 
 
 
PlatteKräutergarten AG
Ansprechpartnerin:
Adelheid Platte
Tel.: 06251-57233
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Pfingstrosengarten HKV

Pfingstrosengarten

Das Pfingstrosenprojekt in dem Schau- und Lehrgarten für Pfingstrosen ( Päonien) im Kirchgarten an der Evangelischen Kirche

Im Jahre 2012 mussten wir das Pfingstrosenbeet, das in den 80. Jahren des vergangen Jahrhunderts  auf dem Klostergelände neben dem Walahfried Strabo-Garten angelegt wurde, auflösen, da das Gelände neu gestaltet wurde.
Nachdem der Heimat- und Kulturverein Lorsch in Kooperation mit der Stadt Lorsch Kontakt zu der Evangelischen Gemeinde aufgenommen hatte, deren Gelände gegenüber auf dem „Wingertsberg“ (auch früheres Gelände des Klosters) liegt, haben wir mit der Einwilligung der Evangelischen Gemeinde einen neuen, größeren Pfingstrosengarten (Lehr- und Schaugarten) am 02. Juni 2013 eingeweiht.
Im Jahr 2014 wurde am 01. Juni eine Pfingstrosenstaude auf den Namen „Päonia lactiflora Laureshamensis“ mit Weschnitzwasser getauft.
Die Pfingstrosen, mit dem botanischen Namen Päonia gehören zu den prächtigsten Zierpflanzen. Vielen Pflanzenfreunden ist aber nicht bewusst, dass die Pfingstrosen zunächst als wichtige Heilpflanze dienten.
Der Garten widmet sich der Entwicklung der Pfingstrose von der Heilpflanze zur weltweit beliebten Zierpflanze. Als Wildstaude und wilde Strauchpäonie kommt sie nur auch der nördlichen Halbkugel vor. Allerdings werden in Australien und Neuseeland auch sehr schöne Päonien gezüchtet.
Einige Vertreter davon wachsen auch im Pfingstrosengarten. Wichtig war für uns bei der Auswahl, dass wir gutduftende Päonien, seltene Strauch – und Staudenpäonien, sowie besondere Vertreter ausgesucht haben, um die weitere Entwicklung der Päonien zu zeigen.
Der Garten befindet sich noch in der Entwicklung. Im Jahr 2014 wurde er um drei Beete erweitert. Auch in der Zukunft sollen noch weitere Beete um die Kirche entstehen.
Es waren Mönche im Skriptorium des Klosters Lorsch, die schon um das Jahr 800 in das „ Lorscher Arzneibuch“ Rezepte mit Pfingstrosen aufgenommen haben. Diese Rezepte enthalten Angaben zur Verwendung von Wurzeln, Samen und Blütenblättern sowie zu den Krankheiten, bei denen sie helfen können. Epilepsie und Gicht waren wohl die schwersten Krankheiten, bei denen die Päonie eingesetzt wurde. Auch Hildegard von Bingen hat die Pfingstrose in ihren Schriften behandelt.
In Deutschland wird die Päonie seit Ende des 19. Jahrhunderts in der Schulmedizin nicht mehr verwandet. Eine geringfügige Menge an Blütenblättern zur Schönung von Tee ist noch akzeptiert. Jedoch wird die Päonie noch in der Homöopathie eingesetzt.
In Ostasien, insbesondere in China, ist die Entwicklung ganz anders verlaufen. In der traditionellen Chinesischen Medizin sollen die Päonien bereits seit mehr als 4000 Jahren eine wichtige Rolle spielen. Noch heute werden in China Päonien ( Mudan) feldmäßig für die Heilkundigen angebaut, vor allem die Strauchpfingstrose „Feng Dan Bei“, deren getrocknete Wurzeln als „Dan Pi“ verwandet werden.
Wir weisen aber ausdrücklich darauf hin, dass die Päonie nicht für eine Selbstbehandlung geeignet ist, weil sie schwach giftig ist und der Genuss zu Erbrechen, kolkartigen Schmerzen und Schleimhautentzündung des Magens führen kann.
Anbei noch einige Bilder Der „Päonia officinalis“ und der „Päonia lactiflora Laureshamensis“:


Besuchen Sie den Garten – auch mit dem Weinberg des Herren, vor der schönen Evangelischen Kirche-erbaut 1895/1896 – und genießen die Atmosphäre des Ortes.
Führungen zu dem Garten können wir leider nur selten – und nur an Wochenenden anbieten, da wir ehrenamtlich tätig sind und noch unseren beruflichen Verpflichtungen nachkommen müssen.

 
 
Steines
 
Pfingsrosengarten AG
Ansprechpartnerin:
Gisela Steines
Tel.: 06251-52792
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LaurehamensisPfingstrosengarten-Führungen
Dauer: 1 Stunde
Preis bis 10 Personen: 55,00€
Preis ab 11 Personen: 5,50€ pro Person
Kontakt:
Tourist-Information NibelungenLand, Lorsch
Tel.: 06251-175260
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Banner 1250x251 Juedisches Lorsch III

Das jüdische Lorsch

Juden kamen etwa ab 1623 nach Lorsch, das in diesem Jahr des 30-jährigen Krieges wieder zurück an Kurmainz gefallen war. Während der Pfälzer Lehenschaft war ihnen eine Ansiedlung nicht erlaubt gewesen. Für die Zeit davor, des Spätmittelalters, gibt es einige Hinweise auf Juden, die schon früher in Lorsch gelebt hatten.

Die ersten beiden Familien die nun kamen, sahen das alte Reichskloster noch in seiner ganzen Ausdehnung. Die Mehrzahl der Bauten wurde aber bald abgetragen um Steine für den Neubau von Häusern und Pfarrkirche zu erhalten. Der Krieg hatte die Region verwüstet, aber er hatte auch die Gettos der Juden geöffnet. Die nach Lorsch kamen stammten aus Mainz und aus dem benachbarten Worms, der tausendjährigen Wiege des aschkenasischen Judentums. Kurfürsten und die Herrscher der Kleinstaaten warben in dieser Zeit des Neuaufbaus um ihre Ansiedlung auf dem Lande und es begann das Zeitalter der Hessischen Landjudenschaft mit all seinen vielfältigen Betätigungsfeldern.

Sogar die Landwirtschaft war Juden in nach-napoleonischer Zeit zugänglich gemacht worden, und sie kauften eigene Weideflächen für ihr Vieh, vor allem für den Handel damit. Innerhalb eines Jahrhunderts waren sie fest etabliert. Lorsch mit seinem aufstrebenden Tabakanbau und –handel bot weitere Geschäftsmöglichkeiten. Der Siegeszug der Zigarre begann in Lorsch mit der Einrichtung der ersten Fabrik im aufgegebenen Stadtpalais der Familie von Hausen. Die Gebrüder Lazarus und Zacharias Morgenthau begründeten 1856 eine Industrie, die für die nächsten einhundert Jahre die Struktur des Ortes prägte. Lazarus ging 1866 in die USA, er ist der Vater und Großvater der bekannten New Yorker Politikerdynastie Henry Morgenthau Sr. und Jr. (Morgenthau-Plan). Zacharias lebte bis zu seinem Tode 1898 in Lorsch. Sein Grab ist, wie das aller Lorscher Juden auf dem Verbandsfriedhof der Jüdischen Gemeinden der Region in Alsbach. Ein weiterer Lorscher Jude der es zu Ruhm und Ehre in der Neuen Welt brachte war der Komponist und Klavierbauer Julius Krakauer (1843-1912), ebenfalls in New York.

Als die Eisenbahn 1869 nach Lorsch kam hatte der Ort mit 2,8% den höchsten jüdischen Anteil an seiner Bevölkerung von damals 3.300 Einwohnern. Die Städte Worms, Darmstadt, Mannheim und Frankfurt waren nun nur noch eine gute Stunde entfernt und boten jungen Leuten neue Erwerbsmöglichkeiten. Vom Rathaus, in dessen unmittelbarer Umgebung sich die ersten Juden niedergelassen und ihre Hausstände begründet hatten, führt die Straße zum Bahnhof. An ihr lagen ab dem 19. Jahrhundert die Mehrzahl der jüdischen Geschäfte, Kolonialwaren- und Eisenhandel, Häute und Felle, Holz- und Kohlehandel und Textilgeschäfte. Aus dem Hauthandel gingen später die Lederhändler und Schuhmacher hervor. 1910 war die Stadt auf 4.500 Einwohner gewachsen. Immer mehr Juden zog es nun zurück in die großen Städte, ihr Anteil in Lorsch sank auf 1,5%, 72 Köpfe.

1884 errichteten die Lorscher Juden ihre neue Steinsynagoge. Die Gemeinde zählte auf ihrem Höhepunkt 110 Mitglieder, in etwa zwölf Familien. Die Ostfassade mit ihren Zwillingstürmen war in der Bahnhofstraße 10. Das Eingangsportal lag zurückversetzt hinter anderen Einrichtungen der jüdischen Gemeinde, Schulhaus und Ritualbad, in der Kirchstraße auf dem Grundstück eines Vorgängerbaus aus dem 18. Jahrhundert. Architekt war der Heppenheimer Stadtbaumeister Franz Anton Klein (1847-1894), ein Lehrer Heinrich Metzendorfs. Das Sand- und Ziegelsteingebäude im Stil des Eklektizismus war die erste Synagoge ihrer Art in der Region. Die Summe der Gewerke für ihre Errichtung betrug 7.100 Gold-Mark. Zusätzlich wurden 30,000 Ziegel und 400 Zentner Kalk benötigt. Sie bot Platz für 82 Männer und 36 Frauen auf der hölzernen Galerie. Es war eine beachtliche Leistung für die wenigen Familien des Ortes; die Synagoge entstand zehn Jahre vor dem Bau der evangelischen Kirche in Lorsch.

Sie wurde während der Novemberpogrome 1938 von auswärtigen und einheimischen Nationalsozialisten durch Brand zerstört und noch im Dezember des gleichen Jahres auf Anordnung des Gemeinderates vollständig abgetragen. Aus ihrem Schutt gerettet und über Jahre versteckt gehalten wurden einige wenige Relikte, wie die Mesusa (Schriftkapsel am Türpfosten) der Synagoge. Ihre historische Bedeutung wurde erst spät durch die Übersetzung der Gravur offenbar. Die Lorscher Mesusa wurde von drei Söhnen des 1801 verstorbenen Löb ben Hirz vor 1813 gestiftet und hing vermutlich bereits im Vorgängerbau. Das Stadthaus mit Bet-Stube und Lehrerwohnung hatte Löb bereits Mitte des 18. Jahrhunderts für die jüdische Gemeinde erworben. Hier tagte jährlich die Chevra Kadisha der Region, ein jüdischer Verein der 1739 mit Sitz in Lorsch gegründet wurde. Die Beerdigungs- und Wohltätigkeitsbruderschaft war der zweitälteste Verein dieser Art im Kirchenstaat Kurmainz. Der steigende Löwe ist das Namenssymbol des Löb, oder Löw, dem damaligen Patriarchen einer Großfamilie die sich ab 1812  Mainzer nannte, und deren Mitglieder für Lorsch und Heppenheim wirtschaftlich prägend wurden.

Bis zur Machtergreifung war das Verhältnis der Juden zu ihrem Ort und den Einwohnern untereinander ausgesprochen gut und von keinerlei Misstrauen oder Neid geprägt. Die Strukturen im ländlichen Raum ergänzten sich, die christlichen Landwirte und Bauern, und die jüdischen Händler bedingten einander in ihrer jeweiligen wirtschaftlichen Betätigung. So gelang es den Nationalsozialisten erst spät und nur mit den Mitteln der Gestapo einen Keil in das Verhältnis der Bauern und jüdischen Viehhändler zu trieben, so sehr hatten sich die Strukturen über dreihundert Jahre gefestigt. Wie andernorts auch waren Juden Mitglieder in vielen Vereinen, aber nichts zeigt das gute Miteinander in Lorsch besser als der Umstand, dass katholische Kirche und jüdische Gemeinde einen gemeinsamen Kirchenrechner bestellt hatten. Das Gehalt des Pfarrers und der Lohn des Kantors wurden bis Beginn der 1930er Jahre in einem Rechenschaftsbuch geführt; christliche und jüdische Buchungen in Chronologie und ohne weitere Sortierung.

Die Abwanderung aus dem ländlichen Raum, die zum Ende des Kaiserreiches verstärkt einsetzte, hatte mit Antisemitismus nichts zu tun, sie war allein wirtschaftlich begründet. 1933 zählten die Nationalsozialisten 66 jüdische Einwohner im Ort. Bis zum Kriegsausbruch 1939 waren die meisten von ihnen fort gezogen oder ausgewandert. Allerdings kam es durch die Verfolgungen auch zu Binnenwanderungen und Zuzug aus anderen Orten. Einigen Familien – aber leider nicht allen – kam der Umstand zu Gute, dass ihre schon Jahrzehnte zuvor nach Amerika oder Südafrika gegangenen Mitglieder bei der Beschaffung von Visa behilflich waren.

Alle 1942 noch in Lorsch wohnenden 18 Juden wurden deportiert und sind ermordet worden. Die Webseiten Alemannia-Judaica und das Online-Gedenkbuch des Bundesarchivs geben weitere Auskünfte zu Einzelschicksalen. Die Lorscher Bürger gedenken jährlich dieser und weiterer 22 gebürtiger Lorscher, die aus anderen Orten in Europa verschleppt und Opfer der Shoa wurden. Der Heimat- und Kulturverein ist in Lorsch Träger der Initiative Stolpersteine. Dadurch ist der Kontakt zu einigen Familien wieder hergestellt worden und es gibt einen regen persönlichen Austausch. Die Initiative soll in den kommenden Jahren allen Lorscher Opfern des Nationalsozialismus einen Stein widmen, ungeachtet ob es sich dabei um ermordete oder geflüchtete Personen handelt.

 

 
Figaj
 
Ansprechpartner:
Thilo Figaj
Tel.: 06251-55968
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
 
 
 
 
Titelbild Stolpersteine
DOWNLOADS:
 
 
 
                                        Lorscher Juden im KZ Osthofen 1933
 
                                        Rohrheimer - die älteste jüdische Familie von Lorsch
 
                                        Das Schicksal von Ruth Karola Kahn 1923-1942
 
                                        Die Familie Herzberger
 
 
Juedisches Lorsch LinksInteressante Links:
 
Gedenkbuch des Bundesarchivs: https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Header Wald

Der Lorscher Wald

Ein weiteres Thema des Heimat- und Kulturvereins ist die geschichtliche Erforschung und Dokumentation des Themas"Lorscher Wald". Dieses auch heute noch zusammenhängende Waldgebiet umfasst, historisch begründert, die Wälder um Viernheim, Lampertheim, Bürstadt, Kleinhausen und Lorsch. Zu der Bensheimer Gemarkung gehörten früher noch der Stubenwald, der Kirschwald und der Vehwegswald dazu. Die Versorgung der Gemeinden mit Waldprodukten, vor allem Holz, war zentrale Aufgabe der jahrhundertelang in Lorsch residierenden Forstverwaltung. Auch die Jagd wurde neben Neuschloss von Lorsch aus geregelt. Heute noch erhaltenes Dokument der ehemaligen Zentralverwaltung ist das aus dem 18.Jahrhundert stammende "Kurfürstliche Haus " auf dem Klostergelände mit seinem gusseisernen Hirschhaupt aus großherzoglicher Zeit. Zwischenergebnisse der Untersuchungen waren, neben einigen Veröffentlichungen, je eine Ausstellung im Jahr 2000:" Rotwild im Lorscher Wald" und eine im Jahr 2014: " Aus Lorschs reicher Waldvergangenheit". Das Logo der letzten Ausstelung symbolisiert das Zusammenspiel von Jagd und Wald. Auch die Entschlüsselung des Wappensteins am 300 Jahre alten Rathaus von 1715 ist ein Ergebnis der Untersuchungen. Der Verein würde sich freuen, wenn mit der Thematik befasste Bürger mit Rat, Tat und Objekten helfen könnten.
 
 
 
Fettel
Ansprechpartner:
Michael Fettel
Tel.: 06251-5501674
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 Header Projekte

Unsere Projekte im Überblick

Der Heimat- und Kulturverein Lorsch initiiert und betreut verschiedenste Projekte in Lorsch und Umgebung. Hier eine Auflistung der wichtigsten Projekte, die umgesetzt wurden beziehungsweise, die in Arbeit sind:
 
  • Kräutergärten nach dem Lorscher Arzneibuch
  • Kräutergarten nach Walahfrid Strabo
  • Pfingstrosengarten
  • Sichtbarmachung der Grundmauern des Klosters Altenmünster
  • Aufbau des Tabakmuseums
  • Glockenspiel am alten Rathaus
  • Historischer Lehrpfad
  • Einsatz für den Erhalt des Palais von Hausen
  • Gestaltung der Gedenkstätte Bruchhäusel
  • Familienforschung
  • Heimatabende: Vorträge, Mundart
  • Lorscher Bilderbogen.  
  • Tabakbrunnen am Alten Rathaus
  • Ausflugfahrten
  • Jüdische Gedenkstätte
  • Aufarbeitung der jüdischen Geschichte Lorschs.
  • Ausbildung der Stadtführer
  • Ausbildung von Gästeführern zum Thema „Tabak“
  • Forschung zum Lorscher Wald und zur Jagd
  • Tabakprojekt Lorsch
  • Fotoarchiv
  • Kunstförderung
  • AG Geschichtsvereine
  • Unterstützung der Museumspädagogik am Weltkulturerbe Kloster Lorsch
  • Sprecher der Lorscher Vereine
Header Ansprechpartner

Ansprechpartner

 
 
Diehl
 
Vorsitzender
Reinhard Diehl
Tel.: 06251-7079911
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  Schnitzer
Stellvertretende Vorsitzende
Alice Schnitzer
Tel.: 06251-54789
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  Steines
Geschäftsführerin
Pfingstrosen AG
Gisela Steines
Tel.: 06251-52792
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Pratz
 
Sekretariat
Renate Pratz
Tel.: 06251-7079928
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 Raadt
Bildarchiv
Hans de Raadt
Tel.: 06251-52195
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 Ludwig
Gästeführer
Inge Ludwig
Tel.: 06251-550155
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Figaj
 
Das jüdische Lorsch
Thilo Figaj
Tel.: 06251-55968
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 Platte
Kräutergarten AG
Adelheid Platte
Tel.: 06251-57233
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 Claudia
Museumspädagogik (Kloster Lorsch)
Claudia Götz
Tel.: 06251-51446
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 Koob
Schatzmeister
Heribert Koob
Tel.: 06251-53414
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Logo HuK klein
 
Sprecher der Lorscher Vereine
Klaus Jäger
Tel.: 06251-55475
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 Dixkes
Stadtarchiv
Winfried Dixkes
Tel.: 06251-587300
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  Stroick
Tabak AG
Bernhard Stroick
Tel.: 06251-52780
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  Fettel
Wald und Jagd
Michael Fettel
Tel.: 06251-5501674
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Sekretariat

Renate Pratz
Nibelungenstr. 41
64653 Lorsch
Tel.: 06251-7079928
Fax: 06251-7079915
E-Mail: info@kulturverein-lorsch.de 

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Sonderausstellung 06.02.-14.05.2017

Legalisierter Raub.

Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933-1945